Ostern und Pfingsten sind keine Faulenzertage
Verehrte Leserinnen und Leser,
vor vier Wochen haben die katholischen und reformierten Christen, vor drei Wochen die Orthodoxen das Hohe Osterfest gefeiert. Gefärbte Eier, Schokoladehasen, Osterlämmer (nein, die Weihnachtsmänner kommen ein anderes Mal), Spaziergänge in der Natur, Besuche bei den Bekannten, oft ohne Rückbesinnung auf ihren symbolischen Charakter, haben die Festlichkeit ergänzt, denn bei den Grosseltern war es auch so. Artefakte aus dem Museum wurden entstaubt, nun geht das Leben, wie früher, weiter. So ist die Osterchance ungenutzt in die Mottenkiste für ein Jahr wiederum verpackt worden – schade!
Die Dynamik des Osterfestes ist fest in der Auferstehung Jesu verankert. So wie er aus der Dunkelheit des Grabes zum Leben hinüber gegangen ist, so auch diejenigen, die sich die Ostererdynamik zueigen gemacht haben, die Dunkelheit der Hoffnungs-, Ziel-, Sinnlosigkeit, des geistigen Marasmus und Kritiksucht hinter sich lassen und mit neuem Elan, mit reinen Herzen in die Zukunft blicken. Diese persönliche Auferstehung, zusammen mit Christus, ist „in“ geworden, und die ganz böse Kirche – wie uns das immer wieder gedeutet wird – ist zum Fundament der Zukunft geworden, zumindest für einige.
Sorgsam in den Nachrichten der Massenmedien ist verschwiegen worden, dass sich in Frankreich, das geistig durch die Französische Revolution fast vollständig säkularisiert wurde, mehr als 21‘000 (wörtlich: einundzwanzigtausend) junge Menschen in der vergangenen Osternacht taufen liessen (Alter von 14 bis 40). Ihre Entscheidung, der kath. Kirche beizutreten, in der es zwar „menschelt“ seitdem es in ihr Menschen gibt, in der jedoch die federführende Rolle der Geist des Auferstandenen führt, ist nicht auf eine gelungene marktwirtschaftliche Handlung der dortigen Kirche zurück zu führen – da war jemand Anderer, der hier gewirkt hatte. Nach einer langen Vorbereitung fanden sie die Kirche als wertvoll nicht deshalb, dass es auch in ihr eben Sünde und Versagen gibt, sondern deshalb, dass sie trotz Fehlern und Sünden ein Fundament liefert, auf das es sich aufzubauen lohnt. Sie sind mit Christus auferstanden an diesem Osterfest aus ihrer Vergangenheit zu einer neuen Wirklichkeit. Hier fanden sie die Wirkung des Geistes des Auferstandenen, des Heiligen Geistes (die klugen Köpfe unserer Zeit lassen nach der „neuen“ Grammatik das „Heilige“ klein schreiben – dann sollten sie folgerichtig ihre eigenen Vornamen auch klein schreiben!). Das ist kein linearer Anstieg im Vergleich mit den vergangenen Jahren. Das ist mehr als quadratisch, fast exponentiell!
Am Pfingsttag trat Petrus vor die Öffentlichkeit und verkündete den Auferstandenen ohne Rücksicht auf etwaige politische Konsequenzen mit Entschlossenheit. Der Pfingsttag und Ostern gehören daher zusammen. Am Vorabend des Grossen Pfingsttages am 2. Juni 1979 betete der Nachfolger des Petrus, der hl. Johannes Paul II., die altehrwürdige Antiphon: „Komm, Heiliger Geist, und erneuere das Antlitz der Erde“. Danach fügte er hinzu: „dieser Erde“. Es kam zwar nicht sofort, aber bald danach: „diese“ Erde wandelte sich vollständig um.
Anträge an Gott gehen formularfrei und drahtlos seit je her. Seine Antwort kommt nicht sofort, aber sie kommt sicherlich. Das Hohe Pfingstfest steht uns bevor. Ist das Entwerfen des Tagesmenüs dieses Festes die einzige wichtige Sorge?
Schöne weitere Osterzeit und frohe Pfingsten
Christoph Willa (01.05.2026)
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