Cordial bainvgnü!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es weihnachtet und daher gestatten Sie mir, Ihnen allen herzliche und freundliche
Weihnachtsgrüsse zu überbringen. Gott segne die festlichen Tage und das ganze neue Jahr!
In unserer Pfarrkirche steht ein wunderschöner Christbaum, herrlich geschmückt von zwei
Frauen – ihnen sei herzlich dafür gedankt! Bei einer genaueren Betrachtung aus einer
bestimmten Perspektive kann man jedoch erkennen, dass dieser Christbaum stellenweise
krumm ist – krumm, wie das Leben eines jeden Menschen.
Er ist grün, trotz des Winters, wie die Farbe der Hoffnung und steht fest am Boden, mit seiner
Spitze berührt er die Decke der Seitenkapelle: er verbindet die Decke mit dem Boden –
könnte man konstatieren! So symbolisiert er das grosse Geheimnis der Hochheiligen Nacht, in
der Gott seinen Sohn in unsere Zeit gesandt hat, damit dieser den Himmel mit der Erde
verbindet. Nicht nur Heu und Stroh der Bethlehemer Krippe zeugen von dem festen Stand
Christi am harten Boden der unserer irdischen Wirklichkeit, auch die gesamte Ausstattung des
doch eher für Tiere als für den Weltenkönig geeigneten Lokalität belegen, dass es ihm nichts
fremd ist. Nein, sämtliche Krümmungen und sogar Brüche kennt er durch und durch und
schreckt davor nicht zurück. Er kommt auf diesen harten Boden, um den Menschen guten
Willens seine Gottheit zu schenken, um – anders gesagt – den Christbaum unseres Lebens so
umzudrehen, dass er gerade und schön nicht nur der äusseren Betrachtung nach aussieht,
sondern auch wirklich gerade wird.
Die Liturgie der weihnachtlichen Zeit spricht von einem heiligen Tausch: das wird ganz
besonders deutlich in dem krummen Christbaum. Das neugeborene Kind in Bethlehem ist
deshalb in diese Zeit gekommen, um all unsere Krümmungen auf sich zu nehmen und später
bis zum Kreuz zu tragen.
Komm, o Herr, Deine begradigende Wirkung braucht Jede/Jeder von uns. Auch Deine Kirche
bedarf Deines Eingriffs. Die Wertehierarchie, bekannt als Werteleiter, ist auch krumm
geworden, so dass das an sich Schlechte oft als gut bezeichnet wird. Viele Beziehungen
benötigen Dich.
Sei geboren in unseren Herzen und in unserer immer mehr hektisch werdenden Gesellschaft:
Du bist die Liebe und der Frieden in Person. Komm in die Herberge meines Herzens – sie
steht offen für Dich!
Frohe und gnadenreiche Weihnachten!
Ihr Pfarrer
Christoph Willa