Verehrte Leserinnen und Leser,
beinahe durchgängig, ohne zwischen Herbst und Frühling zu unterscheiden, ist es uns möglich Obst und Gemüse zu besorgen, obwohl wir ganz genau wissen, dass Äpfel kaum im Winter zu ernten und Kartoffeln nur im späten Sommer aus der Erde zu holen sind. Nur die Schokoladen- Weihnachtsmänner werden im Sortiment durch Ostereier ersetzt, ansonsten ist die Jahresernte immer fast vollständig zugegen. Hätten wir dem spürbaren Unterschied zwischen der sommerlichen Wärme und der winterlichen Kälte durch unterschiedliche Bekleidung nicht begegnen müssen, würde sich eine langweilige Konstante etablieren. Es ist aber nicht so. Der Prediger (Kohelet) vermerkt die wellenmässige Änderung in einem längeren Aufsatz, von dem sei mir gestattet nur auszugsweise seine Ausführungen in Erinnerung zu rufen:
„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, […] eine Zeit zum Weinen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz…“ (Koh 3,1-8).
Seit dem Aschermittwoch ist uns eine besondere Zeit durch den liturgischen Kalender geschenkt worden: die heilige Fastenzeit, oder vom Inhalt her genannt – die Österliche Busszeit. Sie wird uns durch den ganzen Monat März begleiten und uns helfen, sich auf das Hohe Osterfest vorzubereiten zu dem wir durch die Tage des Leidens und der Kreuzigung Jesu hingehen werden.
Etwas irritierend ist das Wort über die Vorbereitung, denn gewöhnlich wird mit dieser Bezeichnung Zuhilfenahme von Reinigungsgegenständen oder die rechtzeitige Besorgung von Utensilien, die während der Feiertage auf Genuss zielend zur Festlichkeit der Ostertage beitragen sollten. Das ist auch gut, allerdings sind das keine Handlungen, die diese geprägte Zeit bestimmen. Das Wesen liegt in der Busszeit. Damit hängt die wichtigste Botschaft Jesu, die er ganz an den Anfang seines öffentlichen Wirkens gestellt hatte: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15) zusammen. Er sagt nicht, dass wir unsere Nachbarn bekehren, sondern dass wir diese Reinigung zuallererst bei uns selbst vornehmen sollten. Die entsprechenden Reinigungswerkzeuge finden wir in den Sakramenten der Kirche. Entsagung, Fasten, Teilnahme an der Kreuzwegandacht, Spenden und Werke der Liebe sind ja nur Hilfswerkzeuge, um in die Gesinnung der Umkehr einzusteigen. 40 Tage sind sowohl im Alten als auch im Neuen Testament „reserviert“ für die eigene innere Reinigung, wobei bei der Zählung der Tage die Sonntage unberücksichtigt bleiben. Das ist die Zeit der „Rückkehr zur ersten Liebe“, zur Liebe Christi durch Intensivierung des Gebetes, aber auch zur Liebe anderer Menschen, sprich: durch Versöhnung und Vergebung. Lasst uns diese Tage als eine Chance ansehen.
Eigentlich kommen wir während der Fastenzeit gar nicht auf die Zahl 40 im mathematischen, sondern nur im symbolischen Sinne. Am 19. März trifft das Fest des hl. Josefs zu und am 25. März das Fest der Verkündigung des Herrn. Diese Festtage verkürzen die Fastenzeit noch zusätzlich. Das Ende des Monats wird fast auf das Ende der Fastenzeit treffen. Lasst uns dann mit einer dankbaren Gesinnung in die Karwoche, die heilige Woche hineingehen.
Eine gesegnete und effiziente Fastenzeit
wünscht Ihnen
Christoph Willa (25.02.2026)
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